Bundesamt für Naturschutz

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Natur- und Gewässerschutz


In Wasserwirtschaft und Naturschutz haben sektorale Sichtweisen Tradition. Heute stehen die Disziplinen vor der Herausforderung, die tradierten verengten Blickwinkel für eine neue Gewässerpolitik zu öffnen, um einen ganzheitlichen Ansatz zu ermöglichen. Nur so können gemeinsame Handlungsstrategien entwickelt und ein nachhaltiger Natur- und Gewässerschutz erreicht werden. Es existieren zwischenzeitlich gute fachliche und rechtliche Ansätze für einen nachhaltigen und sinnvollen Umgang mit Gewässern, diese müssen nun bekannt werden.

Die im Jahr 2000 in Kraft getretene Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bildet eine neue Grundlage für eine integrierte Gewässer(schutz)politik in Europa. Über Staats- und Ländergrenzen hinweg wird eine koordinierte Bewirtschaftung der Gewässer innerhalb der Flusseinzugsgebiete angestrebt und dabei eine doppelte Zielsetzung verfolgt: einen guten chemischen und vor allem einen guten ökologischen Zustand zu erreichen. Damit rücken insbesondere morphologische Veränderungen der Flüsse und ihrer Auen stärker ins Blickfeld. Hinzu kommt, dass die WRRL die gewässerbeeinflussten terrestrischen Ökosysteme ebenfalls einbezieht und somit den tatsächlichen ökologischen Funktionszusammenhängen zwischen Fluss und Aue besser als bisher Rechnung getragen wird.

Im Hinblick auf die Umsetzung der festgelegten Ziele der WRRL kommt es nun auch darauf an, die unterschiedlichen, über die Zeit gewachsenen Positionen und Selbstverständnisse der verschiedenen Akteure näher zu beleuchten und zu verstehen. Diese manifestieren sich insbesondere in Ansätzen zum Schutz und zur Nutzung von Gewässern. Eine historische Betrachtung derselben kann also dazu dienen, neben Konflikten auch Gemeinsamkeiten zu identifizieren und auf dieser Basis einen interdisziplinären Austausch zu fördern.


Symposium "Natur- und Gewässerschutz in historischer Dimension

Birman "Blick auf Isteinerklotz" 1819
Birmans Blick auf Isteinerklotz von 1819

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesamt für Naturschutz auf Anregung der Stiftung Naturschutzgeschichte in Königswinter das Thema „Naturschutz und Gewässerschutz - Gegenwarts- und Zukunftsfragen in historischer Dimension“ im Rahmen eines FuE-Vorhabens untersuchen lassen. In Form eines interdisziplinären Symposiums unter Teilnahme von Expertinnen und Experten aus Natur- und Geisteswissenschaften, Behörden und Verbänden sowie der freien Wirtschaft wurden aktuelle Fragen zum Gewässerschutz vor dem Hintergrund ihrer historischen Wurzeln diskutiert und der Dialog zwischen den Disziplinen gefördert. Dabei ging es nicht um eine bloße Beschreibung der Entwicklung sondern vielmehr darum, die Ergebnisse der historischen Analyse in die Diskussion um aktuelle und künftige Leitbilder des Natur- und Gewässer- schutzes einfließen zu lassen.

Die im Rahmen des Symposiums gewonnenen Erfahrungen und die angeregten Diskussionsprozesse zwischen den Disziplinen bestärken das Bundesamt für Naturschutz in seinen Überlegungen, auch in Zukunft Fachtagungen zu aktuellen Naturschutzthemen mit einer historischen Aufarbeitung zu verbinden.

Die Ergebnisse des Symposiums wurden 2007 in der   Schriftenreihe des BfN publiziert und können direkt bestellt werden.

Veröffentlichungen

Naturschutz und Gewässerschutz. Gegenwarts- und Zukunftsfragen in historischer Dimension.