Bundesamt für Naturschutz

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Nationale Naturmonumente


Allgemeines

Im März 2010 wurde das Bundesnaturschutzgesetz um die Schutzgebietskategorie "Nationale Naturmonumente" erweitert.

In § 24 Abs. 4 heißt es:

„Nationale Naturmonumente sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die


  1. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und
  2. wegen ihr Seltenheit, Eigenart oder Schönheit

von herausragender Bedeutung sind. Nationale Naturmonumente sind wie Naturschutzgebiete zu schützen.“

Für sie gilt laut § 22 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes die Benehmensregelung mit dem Bund: „Die Erklärung zum Nationalpark oder Nationalen Naturmonument einschließlich ihrer Änderungen ergeht im Benehmen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.“

Der neue Schutzgebietstypus lehnt sich an Kategorie III der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) an. Bei den Nationalen Naturmonumenten kann es sich demnach um national bedeutsame Naturerscheinungen, aber auch spezielle herausragende geologisch-geomorphologische Erscheinungen oder solche, in denen sich besondere Natur- und Kulturwerte verbinden, handeln.

Im Unterschied zu Nationalparken können Nationale Naturmonumente deutlich kleinflächiger sein. Das Ausweisungskriterium der nationalen Bedeutung der Gebiete haben sie jedoch gemeinsam. Im Gegensatz zu Naturschutzgebieten spielt bei Nationalen Naturmonumenten (NNM) der Kulturwert neben dem Naturwert eine wichtige Rolle, ebenso müssen NNM die Anforderungen an Seltenheit und Eigenart erfüllen. Naturdenkmäler unterscheiden sich von NNM durch ihre lokale oder regionale Bedeutung sowie den Umstand, dass diese nur Objekte und keine Gebiete schützen.

Da es sich kaum um vollkommen natürliche, unberührte Gebiete handeln wird, sondern diese meist vom Menschen beeinflusst werden, müssen zum Schutz und zur Erhaltung der Nationalen Naturmonumente Managementanforderungen untersucht und definiert werden. Aufgrund der Attraktivität der „Nationalen Naturmonumente“ ist von einem starken Besucherinteresse bzw. bereits bestehendem Besucherdruck auszugehen. Um die Notwendigkeit von obligatorischen Managementplänen sowie Verwaltungs-,  Informations- und  Bildungseinrichtungen vor Ort zu klären, führte das BfN zum Thema „Nationale Naturmonumente“ im Zeitraum 2010 bis 2013 ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben durch. Der Abschlussbericht enthält auch Managementleitlinien für NNM (Download unter weitere Informationen in der rechten Spalte).

Aus diesem F+E Vorhaben geht hervor, dass einzelne Objekte nicht als NNM infrage kommen. Auch archäologisch bedeutsame Stätten und Kulturdenkmäler können Teil von NNM sein, sofern diese einen Naturwert besitzen. So kann es bei der Ausweisung von NNM zur Überschneidung von Naturschutz und Denkmalschutz kommen.

Für NNM gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Mindest- oder Höchstgröße. Die Schutzgebietsgröße orientiert sich an der Ausdehnung der vom Schutz umfassten Erscheinungen bzw. Landschaftsausschnitte. Für die Schutzwürdigkeit eines Gebietes als NNM müssen jeweils mindestens ein Kriterium aus §24 Abs. 4 Nr. 1 und Nr. 2 BNatSchG vorliegen, außerdem muss das Gebiet, welches als NNM ausgewiesen werden soll, mindestens aus einem Schutzgrund aus §24 Abs. 4 Nr. 1 und einem aus Nr. 2 BNatSchG von herausragender Bedeutung sein.

Die im F+E Vorhaben entwickelten Managementleitlinien für Nationale Naturmonumente besagen, dass ein Managementgrundsatz der dauerhafte Schutz und die Erhaltung sowie ggf. Verbesserung der wertgebenden Merkmale des NNM sein sollte. Die Erstellung eines Managementplans mit Vorgaben zu Nutzung und bei Bedarf Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie Regelungen für eine sozial und ökologisch verträgliche Besucherführung wird empfohlen. Dabei kann ein Zonierungssystem mit unterschiedlichen Zielen und Maßnahmen sowie Prioritäten von Naturschutz und Denkmalschutz entwickelt werden. Um Umsetzung und Erfolg des Managementplans zu kontrollieren, sollte ein Monitoring im Rahmen der  Gebietsbetreuung erfolgen.

Nationale Naturmonumente sollten wegen ihrer besonderen Bedeutung und beträchtlichen Außenwirkung ab einer gewissen Größe eine eigene Verwaltung besitzen, diese kann jedoch auch in eine bestehende Verwaltungsstruktur integriert werden. Die Öffentlichkeitsarbeit der NNM sollte zum einen die Selbstdarstellung in den Medien und zum anderen die Aufenthaltsgestaltung für Besucher des NNM in Form von Dokumentation und Präsentation beinhalten. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Einrichtungen zur Besucherlenkung  das NNM nicht beeinträchtigen.

Bisher ausgewiesene und geplante Nationale Naturmonumente

Im August 2016 wurde mit den Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern das erste Nationale Naturmonument in Deutschland ausgewiesen. Dabei handelt es sich um einen ca. 75 ha großen Hutewald mit u.a. fünf bis zu 1000 Jahre alten Eichen. Dieser befindet sich in einem mit Damwild besetzten sog. Tiergarten nahe der „Reuterstadt“ Stavenhagen. Die Ivenacker Eichen sind Bestandteil des 278 ha großen FFH -Gebietes „Ivenacker Tiergarten, Stavenhagener Stadtholz und Umgebung“, für das im Jahr 2017 ein Managementplan erstellt wurde und gehören außerdem zum 302 ha großen Landschaftsschutzgebiet „Ivenacker Tiergarten“. Im Bereich des Tiergartens existiert u.a. ein flächendeckendes Vorkommen des Eremiten. Die größte der Ivenacker Eichen ist eine etwa 1000 Jahre alte Stieleiche mit einem Stammumfang von 11 und einer Höhe von 35,5 Metern und zählt damit zu den stärksten lebenden Eichen in ganz Europa. Seit August 2017 ist mit dem „Baumkronenpfad Ivenacker Eichen“ ein Besuchermagnet im Ivenacker Tiergarten entstanden, der nicht nur Waldpädagogik vermitteln, sondern auch das Nationale Naturmonument in den Fokus der Besucher rücken soll. Die Ivenacker Eichen sowie der Tiergarten und der Baumkronenpfad werden vom Landesforst Mecklenburg Vorpommern verwaltet.

Als zweites Nationales Naturmonument wurden im April 2017 die Bruchhauser Steine (24 ha) im Sauerland in Nordrhein-Westfalen ausgewiesen – bestehend aus dem Bornstein, Goldstein, Ravenstein sowie Feldstein. Diese Quarzporphyr-Vulkanfelsen bieten nicht nur Brutplatz für den Wanderfalken, sondern sind auch Standort arktisch-alpiner Flora und Eiszeitreliktarten wie der weißblühenden Alpen-Gänsekresse. Das Anfang der fünfziger Jahre ausgewiesene Naturschutzgebiet „Bruchhauser Steine“ umgibt das Nationale Naturmonument und umfasst rund 84 ha. Die ebenfalls als Boden- und Kulturdenkmal sowie Archäologisches Reservat ausgewiesenen Bruchhauser Steine werden von der 1992 gegründeten „Stiftung Bruchhauser Steine des Freiherrn von Fürstenberg-Gaugreben und des Landes Nordrhein – Westfalen“ mit Sitz in Olsberg-Bruchhausen verwaltet.  Von der Stiftung werden Maßnahmen zur Erhaltung der verschiedenen Schutzgebiete, zur Pflege des Brauchtums sowie Besucherlenkung durchgeführt.

Zum Zeitpunkt der Durchführung des o. g. F+E-Vorhaben gab es in verschiedenen Regionen Deutschlands Überlegungen, Gebiete zur Ausweisung als NNM vorzuschlagen. Daher sollten im Rahmen des F + E-Vorhabens auch erste naturschutzfachliche Einschätzungen hinsichtlich der Eignung dieser Gebiete als NNM vorgenommen werden. Bei diesen ersten Einschätzungen handelt es sich um vorläufige Beurteilungen, die selbstverständlich nicht die vertieften fachlichen Prüfungen im Falle konkreter Ausweisungsverfahren ersetzen. 

Zu den im Rahmen des F+E-Vorhabens betrachteten Gebieten gehörten u.a. das inzwischen ausgewiesene NNM „Bruchhauser Steine“ sowie das „Grüne Band Thüringen“ (die Einschätzung der Eignung des gesamten Grünen Bandes als NNM war nicht Gegenstand des F+E-Vorhabens). Die Verfasser des Gutachtens waren damals zu der vorläufigen Beurteilung gelangt, dass das Grüne Band Thüringen nur abschnittsweise die Voraussetzungen für die Ausweisung als NNM gem. § 24, Abs. 5 BNatSchG erfüllt, weil es Lücken aufweist und somit das zweite Kriterium „wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit“ nicht durchgehend erfüllt wird.

BfN teilt diese gutachterliche Bewertung nicht und hat dies in Abstimmung mit dem BMU auch gegenüber dem Land Thüringen betont. Im Zusammenhang mit der o. g. gutachterlichen Einschätzung weist BfN darauf hin,  dass es praktisch keine Schutzgebiete oder FFH-Gebiete in Deutschland gibt, die nicht auch Flächen beinhalten, die nicht von wertvollen Biotoptypen eingenommen werden. Auch ist es in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland nicht ungewöhnlich, dass durch Schutzgebiete öffentliche Verkehrstrassen verlaufen. Bestehende Lücken im Grünen Band sind nach der Wende entstanden und als Gefährdung des Grünen Bandes zu werten. Entsprechend ist das Vorhandensein von Lücken eher als ein Beleg für die Schutzbedürftigkeit zu werten, eine weitere Voraussetzung für die Ausweisung von Schutzgebieten.

Das BfN bewertet die geplante Ausweisung des Grünen Bands in Thüringen als NNM angemessen. Damit wird erstmals auf einer Länge von 763 km ein zusammenhängender Abschnitt des Grünen Bandes Deutschland einheitlich geschützt. Durch die Kategorie NNM wird die nationale Bedeutung dieser einzigen wirklichen nationalen Biotopverbundachse sowie der Symbolik der ehemaligen Trennlinie zweier geostrategischer Machtblöcke (Stichwort: Eiserner Vorhang)  herausgehoben. Die Ausweisung ist darüber hinaus ein wichtiges Instrument zur dauerhaften Absicherung der vom Bund an das Land Thüringen übertragenen NNE-Flächen am Grünen Band. Als ein neues national bedeutsames Schutzgebiet ergeben sich auch Chancen für eine steigende regionale Wertschöpfung durch Einnahmen aus einem am Naturerleben orientierten, nachhaltigen Tourismus.

Literatur

  • SCHLUMPRECHT, H. & T. KAISER (2015): Nationale Naturmonumente: naturschutzfachliche Fragen und Denkanstöße zu einer neuen Schutzgebietskategorie und zu deren Operationalisierung. - Natur u. Landschaft 90, 15-28.
  • SCHUMACHER, J., SCHUMACHER, A., WATTENDORFF, P. & W. KONOLD (2014): Nationale Naturmonumente. - Endbericht des gleichnamigen F+E-Vorhabens für das BfN. - 117 Seiten, als pdf verfügbar.
  • SCHUMACHER, J. & SCHUMACHER, A. (2014): Die Schutzgebietskategorie "Nationales Naturmonument": nationale und internationale Voraussetzungen für eine Ausweisung. - Natur u. Recht 36, 696-705.

Letzte Änderung: 10.04.2018

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