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Bestand und Gefährdung

Bestandstrends und Gefährdung der Insekten

Die Gesamtzahl der Insekten und auch die Vielfalt der Insektenarten haben in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen. Das belegen regionale und internationale Untersuchungen sowie die 2011 und 2016 vom BfN veröffentlichten Roten Listen zu den wirbellosen Tieren.

Entwicklung auf Bundesebene

In den Bänden 3 und 4 der Roten Listen sind eine Vielzahl der in Deutschland nachgewiesenen Insektenarten erfasst. Anhand von bundesweit repräsentativen Daten werden darin für jede Art unter anderem kurz- und langfristige Bestandstrends dargestellt. Aus den langfristigen Trends geht beispielsweise hervor, dass 60,2 % der Ameisen, 41,8 % der Wildbienen und 42,6% der Großschmetterlinge zurückgegangen sind.

Die Trends einiger blütenbestäubenden Insektengruppen im Überblick:

 

Bestandstrends ausgewählter blütenbestäubender Insekten (Quelle: Binot-Hafke et al, 2011)
Bestandstrends ausgewählter blütenbestäubender Insekten (Quelle: Binot-Hafke et al, 2011)

Alle in der Grafik gezeigten Insektengruppen weisen lang- bzw. kurzfristige Bestandsrückgänge auf. Die Prozentzahl der Arten mit negativen Bestandstrends (rot) variiert zwischen etwa 38% bis 60% im langfristigen Trend und etwa 23% bis 92% im kurzfristigen Trend. 

Wichtige Daten der Roten Listen sind als ZIP-Datei unter (1. Link im Haupttext, Excel-Datei namens "Rote Liste Deutschland") verfügbar. Eine kurze Zusammenfassung und Erläuterung zu Band 3 der Roten Listen - Wirbellose Tiere (Teil 1) steht unter: .


Ergebnisse regionaler Studien in Deutschland

Regionale Untersuchungen zeigen vergleichbare Entwicklungen für unterschiedliche Insektenarten. So zeigt die aktuelle Checkliste der Schmetterlinge Bayerns, dass es dort zu einem Rückgang der Artenzahlen um 13% und bei den Populationsgrößen zu noch größeren Einbrüchen gekommen ist, von denen auch „Allerweltsarten“ betroffen sind (Haslberger & Segerer 2016).

Ähnlich sehen Ergebnisse von Untersuchungen in der Region um Regensburg zu Tagfaltern und Widderchen auf Kalkmagerrasen aus, bei denen für den Zeitraum von 1840 bis 2013 ein Artenrückgang von fast 40% stattfand und dabei sowohl der Anteil der Habitat-Spezialisten als auch der gefährdeten Arten signifikant abnahm. Im Gegensatz dazu nahm der Anteil an Arten, die als Generalisten bezeichnet werden können, deutlich zu.

Einen besonders dramatischen Bestandsrückgang belegt eine noch unveröffentlichte Studie, der zufolge der Bestand an Schwebfliegen im bergischen Wahnbachtal um 84% sank und 24% der Arten zuletzt gar nicht mehr nachgewiesen werden konnten.


Internationale Studien

Der Negativ-Trend konnte auch in internationalen Untersuchungen für zahlreiche Insektenarten nachgewiesen werden, etwa durch die Ergebnisse der Langzeitstudie zur Veränderung der Biomasse von Fluginsekten in Schutzgebieten, die ein Autorenteam 2017 im Fachmagazin PLoSONE (Hallmann et al. 2017) veröffentlichte. Die Forscher hatten Daten des Entomologischen Vereins Krefeld ausgewertet, die zwischen 1989 und 2014 an 63 verschiedenen Standorten gesammelt wurden. Sie konnten zeigen, dass die Gesamtbiomasse der Fluginsekten in weiten Teilen Deutschlands bis 2014 um 76% zurückgegangen ist.

Der von Dirzo et al. 2014 in einem Review über den Verlust der Fauna im Anthropozän erstellte „Globale Wirbellosen Index“ im Fachmagazin Science zeigt in kompilierter Form die Entwicklung der Häufigkeit von Wirbellosen weltweit (Dirzo et al 2014). Für über 450 Wirbellosenarten weltweit ist in der Grafik rechts (C) ein Rückgang der Häufigkeit um 45% in den letzten 40 Jahren zu verzeichnen, lediglich bei den Schmetterlingen (Lepidoptera) ist ein Rückgang von etwa 30% zu verzeichnen.

(Quelle: Dirzo et al, 2014)
(Quelle: Dirzo et al, 2014)

In der Grafik links (A) wird für 1026 Arten aus vier Insektengruppen aus Großbritannien das Ausmaß der Bestandsrückgänge über 40 Jahre aufgezeigt: Die Säulenhöhe zeigt die Gesamtprozentzahl bestandsrückläufiger Arten (zwischen 30% und 60%). Die Farbtiefe zeigt, wieviel Prozent dieser Arten jeweils um 40%, 30%, 20%, 10% oder nur geringfügig abgenommen haben. Die Bestandsentwicklungsdaten der Weltnaturschutzunion IUCN in der mittleren Grafik (B) zeigen für 203 Insektenarten zwischen 20% und 100% der Arten je nach Artengruppe Bestandsabnahmen, im Mittel sind es 33%. Nur ein marginaler Prozentsatz der Arten zeigt positive Entwicklungen.

Letzte Änderung: 22.02.2018

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